Der Thriller um unsere Lena Pillars Tour

Auf dem Weg nach Yakutsk hatten wir bereits mit einer Reiseagentur vor Ort Kontakt und eine Bootsfahrt zu den Lena Pillars gebucht, da unser Zeitplan recht straff war. Denn Russland erprobt wie wir mittlerweile sind, wussten wir: Auskünfte gibt es eh keine, Tourist Offices schon gleich dreimal nicht, Englisch kann sowieso (fast) keiner und mein VHS Russsischkurs, half nur beim Speisekarten lesen.

Oh Wunder, diese Agentur (visityakutia.com) war sogar des Englischen mächtig. Alles stand, und bis auf ein sehr instabiles Wetter, war alles andere in trockenen Tüchern (dachten wir). Um 07:00 Uhr sollte es losgehen, als um 0:11 Uhr das Handy piepste. Die Nachricht: Andere Tourteilnehmende haben abgesagt; die EinTages-Tour kostet statt umgerechnet 200, jetzt 400€. Wollt‘ ihr trotzdem? Ziemlich unverfroren wie wir fanden und ein großes Glück, dass wir es mitten in der Nacht so kurz vor dem Start der Tour noch gesehen haben. Nach ca. 50min Email Verkehr und zähen Verhandlungen einigten wir uns auf einen etwas teureren Trip am darauffolgenden Tag. Hier, wurde uns versichert, findet alles wie geplant statt, denn eine deutsche Reisegruppe hat vorgebucht. Wir sollten nur vorher im Office bezahlen, das war alles.
Lange Rede, kurzer Sinn, auch das klappte nicht. Im Office war keiner, und im dazugehörigen Hotel wusste keiner von irgendwas. Also wieder Diskussion per Mail, und am nächsten Morgen um 06:45 Uhr früh zum Hafen. Wir durften mitfahren, aber diese Tagestour war derartig schlecht organisiert, dass ich sie zu meinem Negativ-Höhepunkt ernennen muss: Essen (angeblich dabei) fehlte; Abholung am Hotel: Fehlanzeige; Englischer Guide: Haha, selten so gelacht; Zeitplan und Tourablauf: Nicht im Entferntesten eingehalten. Tröstend war jedoch die überaus lustige deutsch/schweizerische Reisegruppe älteren Semesters. Was wir von deren Rundreise hörten war organisatorisch katastrophal. Russland will wohl wirklich keinen Tourismus von Außerhalb, egal ob Pauschal- oder Individual. Eine ziemlich unflätige, gebrochenes Deutsch sprechende Reiseleitung, die die Gruppe begleitete, rundete dieses Bild noch ab. Leider war das Wetter auch noch richtig sch***! Es regnete in Strömen, weswegen die Bilder auch eher so lala geworden sind.

Das kleine Speed Boot, welches reichlich unstet insgesamt 8h übers Wasser wummerte, tat sein Nötigstes dazu. Alle waren genervt und es fiel zum ersten Mal der Satz „Heute Abend brauch ich nen Schnaps!“. Ein älterer Schweizer Herr hat mit seinen Russischkenntnissen mit dem Guide und dem Bootsfahrer gescherzt; und wer hätte das gedacht, auf einmal ging eine Flasche extrem guter Beluga Vodka durch die Runde (der Schweizer hatte diese gekauft und teilte sie nun mit allen Anwesenden) und es wurde extrem gesellig im Boot. Aber der Runninggag war wohl die Tatsache, dass die insgesmt 6 Russen, welche sonst noch an Bord waren, allesamt den Vodka fast pikiert ablehnten, während die Deutschen/Schweizer fröhlich zugriffen. Unser geselligstes Vodka Erlebnis bisher in Russland war also mit 2 Deutschen und 5 Schweizern. Wer hätte das gedacht… 😀 – auch hier wieder eine schöne Entkräftung jeglicher Vorurteile. Leider bleibt trotzdem ein ziemlich fader Beigeschmack was die Tour angeht, Preise wurden hier nach gusto kalkuliert, und nach dem Barguzin Valley ist das schon das zweite Mal dass Tourenanbietende ziemlich unverschämt sind… Vor allem gibt es hier keinerlei Entgegenkommen, für nächtliche Absagen um 1, oder minderwertige Touren, die sich nicht an das versprochene Programm halten. Selten waren wir so dankbar für unser eigenes Auto und die Tatsache in Russland so wenig wie möglich auf Tourenanbietende angewiesen zu sein.


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2016 ging es von Deutschland über das Baltikum, quer durch Russland, von dort nach Südostasien und weiter in Südamerika, zusammen mit meiner besseren Hälfte, und über große Teile der Strecke mit meinem Audi A3.