Paradies über dem Wind? Bunte Unterwasserwelt und traurige Schäden

Nächste Station auf doch recht stürmischer See (es ist Windsaison), ist die kleine Insel Mayreau, die in wenigen Stunden mit dem Katamaran erreichbar ist, an Deck wird sich gesonnt und dem Wind zugeschaut wie er die Segel füllt.

Mayreau

Die kleine Insel mit den bunten Häusern ist schwer vom Hurrikan Beryl 2024 getroffen worden. Hier sieht man sehr viele der lokalen Bevölkerung die damit beschäftigt sind, die Schäden wieder aufzubauen. Es ist eine beschauliche Insel, ein kleiner Ort, mit einem schönen Strandabschnitt, auf dem Hügel den man in ca. 10 Minuten erreicht, hinter einer zerstörten Kirche, hat man einen schönen Blick in den Hafen, es gibt nur eine Straße, ansonsten sind die Möglichkeiten auf der Insel doch eher beschaulich. Doch der Sonnenuntergang ist eine Wucht.


Tobago Cays

Der Marine Park verbindet alles, was man sich an karabischen Inselträumen nur wünschen kann. Türkisfarbenes Wasser, weißer Sand und in dem flachen Wasser tummeln sich Schildkröten und Rochen, so weit das Auge reicht. Ob beim morgendlichen Frühstück, beim schnellen Blick auf das Wasser, oder wenn man kurz reinspringt, es ist fast unmöglich nicht ständig von Schildkröten umringt zu sein. Bester Moment war, das Abtauchen um eine Schildkröte beim gemächlichen Grasen zu fotografieren, nur um mich unter Wasser umzudrehen und festzustellen, dass ich zwischen zwei Schildkröten lag, die beide ungerührt meiner Präsenz vor sich hin mampften.

Am Abend gab es auf der kleinen unbewohnten Insel ein Langusten-Dinner, welches jedes Sternerestaurant hätte erblassen lassen. Auch der kurze Fußweg auf den Hügel lohnt sich, bietet er einen schönen Blick auf das Flachwasser mit Korallenriffen.

Für mich mit Abstand der schönste Ort von St. Vincent und den Grenadinen, wenn man ganz nah dran sein will, an bunten Korallen und vorallem Schildkröten. Wenn man dann beim morgendlichen Zähneputzen kurz aus dem Badfenster schaut, und schon die ersten Schildkröten an der Oberfläche nach Luft schnappen sieht, dann ist der Tag schon vor dem Frühstück perfekt. Die vielen Rochen die durch das Wasser gleiten, gehen neben der Omnipräsenz der Wasserschildkröten fast ein bisschen unter, obwohl nicht minderbeeindruckend, wie sie auf Schwingen durch das Wasser gleiten, wie Vögel durch die Luft. Mehr Paradies geht wahrscheinlich nicht.

Union Island

Wer den Text aufmerksam gelesen hat, und auch das Bild der zerstörten Korallen bei Tobago Cays gesehen hat, dem durften die Schäden aufgefallen sein, die der Hurrikan Beryl im Juli 2024 hinterlassen hat, er fegte mit 225 km/h, Regen und enormen Wellen über die Region. Die Flachwasser-Korallen wurden hinweggefegt, genauso wie Teile der Inseln. Am Schlimmsten waren die Schäden u.a. auf der Insel Union, die als „Hauptinsel“ der Grenadinen gilt. Ein wenig kam man sich vor als würden wir Katastrophentourismus machen (was nicht der Fall war, tatsächlich war mir nicht bewusst, wie groß der Ausmaß der Schäden des Hurrikans von vor fast einem Jahr auf den Inseln noch ist). Auch wenn man sich seltsam vorkommt, inzwischen wird viel wieder aufgebaut, die Einheimischen versuchen ihre Geschäfte wieder aufzunehmen, und die Bitte die in solchen Zeiten an Reiseveranstalter ausgegeben wird ist: „Don’t stop selling“. Wie traurig es auch ist, in Regionen die so stark abhängig sind vom Tourismus, wenn dann noch keine Besuchenden mehr kommen, dann bleibt das notwendige Geld für Wiederaufbau aus. Also taten wir das, was wir auf den bisherigen kleinen Inseln schon gemacht haben – die örtliche Gastronomie unterstützt – und einheimisches Bier getrunken 😅.

Fazit: Die Inselwelten lassen sich sehr gut mit dem Boot erkunden, v.a. da im Moment sehr viel Infrastruktur im Wiederaufbau ist. Der Sturm und natürlich menschliche Einflüsse haben leider verheerende Schäden an den Riffen hinterlassen. Die Bevölkerung kämpft sich gerade mühsam zurück, zur Saison 2025/2026 soll viel wieder aufgebaut sein. Jedes mal wenn wir an Land gegangen sind, haben wir also konsumiert – egal ob in kleinen Länden, oder Gastronomie. Wir kamen ins Gespräch auf der Insel Petite St. Vincent, vorher ein Hotelkomplex, heute nur ein paar zusammengeschusterte Zelte und Tische, erzählte eine Einheimische, dass es nicht einfach ist, weil es sich noch nicht herumgesprochen hatte, dass es hier wieder lokale Geschäfte gibt. Früher war die ganze Bucht voll von Ausflugsbooten und Schiffen, die hier an Land gingen um sich einen Cocktail oder ein kaltes Bier zu gönnen, doch der Sturm hat alles verändert und nicht nur die Hotelanlagen dem Erdboden gleichgemacht, sondern auch die kleinen lokalen Geschäfte die daran verdienten. Nächste Saison ab November hofft sie kommen die Boote zurück. In unserem Fall wurde aus einem Bier, fünf – pro Person. Das lag weniger an dem durchschnittlichen lokalen Bier, als an den zwei wirklich herzlichen Damen die clever genug waren, unsere deutsch-englischen Gesprächen der Gruppe als Anlass zu nehmen, und Popmusik der 90er abzuspielen. Und so saß ich in der Karibik, 99 Luftballons von Nena dröhnte aus einer kleinen Box, ein kaltes Bier in der Hand, Sand unter den Füßen und ein türkisblaues Meer vor Augen… Was braucht es mehr?